Du beeindruckst mich!

Du beeindruckst mich!

Eine Zeichnung für den Anderen
zeigt ein wenig unsere Herzensrichtung.

Deine tatsächliche Anwesenheit beeindruckt mich. Meine Sinne, mein Körper spüren die Wirkung. Ich fühle mich verantwortlich. Welche Antwort kann ich Dir bieten?

Wenn ich mit Dir per Bildschirm rede, kommuniziere ich nicht mehr mit einem Menschen, sondern mit einer Maschine. Meine Finger klimpern auf der Tastatur, mein Blick ruht auf einer flachen Oberfläche, auf einem rechteckigen, leuchtenden Objekt. Meine Sinne können ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen. Sie sind nicht mehr gefordert und die Kommunikation geht spurenlos an ihnen vorbei. Die Augen erschöpfen sich beim Folgen der blickfangenden Bewegungen.

Die Kommunikation lastet ausschliesslich auf Worten. Sie werden hohl, durch die verformte und verarmte Stimme. Tote Worte, ohne Schwingung. Schweigen, deren Bedeutung wir nicht mehr erfassen können.

Erinnere Dich an die Zeichnungen, die Du als Kind für Deine Eltern gemacht hast, an die Briefe, die Du an Deine Liebsten, an Deine Freunde geschrieben hast, in Abgeschiedenheit gehüllt am Schreibtisch sitzend. Das war unendlich lange Zeit, die Du mit dem Anderen verbracht hast.

Diese Zeiten waren dem Anderen gewidmet, Du hast ein Teil von Dir für den Anderen hinterlegt. Dieser Andere verlieh Dir den Mut, Dich zu äussern, er gab Dir den Anstoss, dieses abstrakte und sensible Phänomen der Beziehung zu offenbaren. Sie nahm so Farbe und Form an. Sie zeichnete sich in den Furchen der Handlinien. Sie wurde kostbar.

In diesen Zeiten des erzwungenen Abstands suchen wir nach Möglichkeiten, um unseren Beziehungen wieder Gestalt zu geben. Was kann man tun, um den uns Nahestehenden etwas Präsenz zu geben?

Eine Zeichnung für den Anderen heisst, dass er für uns existiert, denn für eine kurze Zeit waren wir symbolisch an seiner Seite, während wir in unserer heimischen Stille am Küchentisch für ihn kritzeln.

Eine Zeichnung für den Anderen zeigt ein wenig unsere Herzensrichtung. Ja, also, lasst uns zeichnen, schreiben, basteln, für die, die wir lieben, um ihnen so etwas von unserer Anwesenheit zu schenken!

Dann wird das Schweigen wieder verständlich und die Worte gewinnen ihres Sinntiefe und ihre Würde zurück. Gehalt und Vertrautheit rücken allmählich erneut ins Zentrum unserer Diskussionen.

 

Text von Isabelle Roch, Kunsttherapeutin, Gstaad

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